In der Welt des Amateurfunks treten Phänomene auf, die wie Stimmungsschwankungen eines kosmischen Orchesters wirken. Der bekannteste von ihnen ist Der Dellinger-Effekt, auch bekannt als Typ-R-Radioausfall oder Geben Sie I Fadeout ein. Es wurde vom amerikanischen Physiker John Howard Dellinger entdeckt und genießt seit fast hundert Jahren den Ruf eines solaren „Schalters“, der die Kurzwellenkommunikation in Sekundenschnelle abschalten kann.
Was genau ist der Dellinger-Effekt?
Im Kern geht es darum plötzliche, starke Abschwächung oder vollständige Einstellung der Ausbreitung kurzwelliger Funksignale. Dabei handelt es sich nicht um die subtile Verschlechterung der Bedingungen, die Funkamateure aus Sonnenzyklen kennen. Der Dellinger-Effekt ähnelt eher einem plötzlichen Lichtvorhang, der über die Szene fällt: Die Signale verschwinden, die Massenkarambolagen verstummen und die gesamte Ionosphärenbrücke, die normalerweise KV-Signale zuverlässig zur Erde zurückreflektiert, verhält sich plötzlich nicht mehr wie erwartet.
Sie sind am stärksten betroffen Frequenzen zwischen 3 und 30 MHz, das ist genau das Kurzwellenband, das von Funkamateuren, Seediensten oder der Luftkommunikation genutzt wird. Höhere Frequenzen (z. B. im VHF-Band) liegen bereits außerhalb der Reichweite dieses Phänomens und werden es ohne größere Einschnitte überstehen.
Wie es entsteht: eine dramatische Szene auf einer sonnigen Bühne

Der Auslöser ist eine starke Eruption auf der Sonne, typischerweise Klasse M oder X, die eine massive Ladung in den Raum sendet extreme ultraviolette und weiche Röntgenstrahlung. Mit dieser Strahlung passiert nichts Langsames: Da Licht auf dem Weg von der Sonne zur Erde nichts anderes als Zeit benötigt, zahlen wir den Preis für diese Geschwindigkeit bereits nach 8 Minuten, also fast sofort.
Wenn diese intensive Strahlung die Erde erreicht, scheint sie auf die Ionosphäre, insbesondere auf die D-Schicht. Unter normalen Umständen ist die D-Schicht ein unauffälliger Türsteher: Sie absorbiert ein wenig niedrige Frequenzen, lässt aber größtenteils kurze Wellen passieren, die dann zur E- und F-Schicht reflektiert werden.
Nach dem Eintreffen einer Sonneneruption wird die D-Schicht jedoch zu einem hyperaktivierten Wächter, der die Gitter herunterzieht und alle Durchgänge verschließt. Die Röntgen- und UV-Strahlung erhöht die Ionisation der D-Schicht dramatisch, wodurch es zu einem extrem effektiven Absorber für KW-Signale wird. Anstatt zur Erde zurück reflektiert zu werden, wird das Signal sofort in der untersten Schicht der Ionosphäre „verschlungen“.
Ergebnis: totale Dämpfung kurzer Wellen.
Manchmal bricht eine Stille aus, die man schneiden könnte.
Wie äußert sich der Dellinger-Effekt in der Praxis?

Funkamateure kennen ihn sehr gut. Typisch sind:

Das Spektrum der KW-Signale in SDR# plötzliches Schweigen der Bänder, ohne Warnung und oft innerhalb weniger Sekunden,
Verschwinden von Daten aus Ionosonden auf KW-Frequenzen,
absolutes Absinken der übertragbaren Frequenzen, MUF sinkt steil ab,
Störung von NVIS-Verbindungen in den unteren Bändern (1,8, 3,5, 7 MHz),
Luft- und Seefunknotfrequenzen auf HF plötzlich verlassen wirken.
Der geografische Bereich entspricht in der Regel der beleuchteten Hälfte der Erde. Auf der Nachtseite des Planeten herrscht immer noch eine Art Stille, aber einer anderen Art: Dort gibt es keine D-Schicht, weil sie nur durch die Sonnenstrahlung am Leben erhalten wird.
Wie lange dauert es?
Dies ist einer der aufregendsten Teile des Phänomens. Der Dellinger-Effekt dauert normalerweise von einigen Minuten bis zu mehreren Minuten. Die meisten gewöhnlichen Blackouts passen in den Rahmen 10 bis 40 Minuten, obwohl bei extremen Sonneneruptionen der höheren Klassen X die Dauer auch die Stunde überschreiten kann.
Die Länge ist direkt proportional:
Intensität der Eruption,
Menge an Röntgenstrahlung,
Dauer des eigentlichen Sonnenflares.
Wenn der Ausbruch vorbei ist, beginnt die Ionisation in der D-Schicht so schnell zu zerfallen, wie sie entstanden ist, und die Kommunikation normalisiert sich allmählich. Und die Rückkehr ist großartig: Die HF-Bänder werden schnell und oft chaotisch belebt, als ob alle Signale beschlossen hätten, gleichzeitig anzukommen.
Warum ist dieses Phänomen so wichtig?
Der Dellinger-Effekt gehört zur Familie der sogenannten R-Größen (Radio Blackout Classes), die von der NOAA überwacht werden. Es ist eines dieser Phänomene, das nicht nur Amateurverbindungen, sondern auch:
Luft-HF-Kreise in den polaren Regionen,
Seekommunikation,
militärische und diplomatische Netzwerke die außerhalb von Satelliten arbeiten,
Zeit- und Navigationsdienste die auf HF betrieben werden.
Für Funkamateure ist dies ein zuverlässiger Indikator dafür, dass die Sonne gerade eine laute Phase hat und dass das DX-Fenster in den nächsten Minuten viel kleiner sein kann als üblich.
Wie erkennt man, dass es sich um den Dellinger-Effekt handelt und nicht um ein anderes Problem?

Mitten im Wettbewerb kann alles passieren, aber Dellinger hat eine sehr klare Signatur:
Der Effekt tritt sofort ein.
Es ist kein schrittweises Verschlechtern der Bedingungen, sondern ein plötzliches Abschalten.Die beleuchtete Seite der Erde leidet am meisten.
Wenn es Tag ist und alle Bänder weg sind, ist das sehr verdächtig.Auch die höheren Kurzwellenbänder fallen, nicht nur 80 m oder 40 m.
Nach einigen Dutzend Minuten normalisiert sich die Situation normalerweise, oft genauso plötzlich.
NOAA meldet erhöhte Aktivität von Röntgenstrahlung, oft in der Klasse M oder X.
Zusammenfassung
Der Dellinger-Effekt ist ein schneller, dramatischer und kompromissloser Eingriff der Sonnenenergie in unsere Kurzwellenwelt. Er entsteht nach einem starken Blitz von Röntgen- und UV-Strahlung von der Sonne, der die D-Schicht der Ionosphäre auflädt und eine massive Absorption von KW-Signalen verursacht. Es dauert von einigen Minuten bis zu einer Stunde und betrifft die gesamte beleuchtete Hemisphäre. Für Funkamateure ist dies ein deutlicher Beweis dafür, dass die Sonne manchmal ihre eigene Improvisation spielt, die zwar schön ist, aber für HF-DX unbarmherzig ist.
